Wieder gut

Wann ist es wieder gut? Wer bestimmt, wann es wieder gut ist? Kann es überhaupt wieder gut werden? Und wieso meinen so viele Menschen, es müsse doch langsam mal wieder gut sein?

Ich habe mir vor 8 Monaten in den Daumennagel geschnitten. Sieht doch so aus, als wäre er wieder in Ordnung, oder? Da trügt der Schein allerdings. Der Nagel ist immer noch empfindlich, der Daumen noch teilweise taub.

Wieder gut?

Solange ich einen Verband getragen habe, bin ich oft drauf angesprochen worden, mir wurde viel „gute Besserung“ gewünscht. Seit ich noch nicht mal mehr ein Pflaster trage, fällt es keinem mehr auf. Nur ich spüre, dass der Daumen noch lange nicht wieder gut ist.

So ähnlich ist es auch, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist: Im Anfang denken noch alle daran. Aber nach ein paar Wochen kehrt bei allen nicht-betroffenen der Alltag ein und das spürbare Mitgefühl wird schon weniger. Und wenn man dann nach einem Jahr „immer noch“ traurig ist, stößt man oft auf Unverständnis. Dabei ist der Verlust meines Lieblingsmenschen so viel schlimmer als mein Schnitt in den Daumennagel.

Wer bestimmt, wann es wieder gut ist? Und kann es wieder gut werden? Wenn überhaupt, dann kann es doch nur anders gut werden…..

Einzig und alleine Du bestimmst, wann und ob. Niemand anderes.

Gut, wenn man weiß, wo man findet, was man braucht…..

Eine Freundin meldet sich. Sie hat permanent Schmerzen im Knie. Evtl eine Baker Zyste? Der Arzt sagt „Abwarten.“, und schreibt Lymphdrainage auf. Es wird aber seit Wochen nicht besser.

Ich denke nach. Da habe ich doch schon mal jemandem geholfen. Was war es noch? Ach ja! Beinwellsalbe! Und ich habe ja auch schon ganz tolles Schweineschmalz (vom Wildschein!) im Kühlschrank stehen, das auf meine Veredelung wartet.

Also raus in den Garten. Zum Glück ist der Boden nicht gefroren, aber es liegt Schnee:

Giersch und Beinwell unter Schnee

Egal. Ich weiß ja, wo ich finde, was ich suche. Und beim Ausgraben der Wurzeln denke ich:

Wie viel hilfreicher ist es, wenn man in einer echten Stresssituation weiß, wo man die gesuchten Dinge findet?! Wenn man gut vorgesorgt hat und sich bereits um alles gekümmert und nachgedacht hat, damit im Fall der Fälle alles gut zusammengefasst darauf wartet, angewendet zu werden?

Wenn man mit der Familie und Freunden Klartext gesprochen hat, auch – oder besonders – über die richtig schlimmen Tage, die kommen werden? Die, die emotional alles aufwühlen. Die, die keiner erleben will aber auf jeden von uns warten? Die, die unausweichlich sind?

Ja, das sind keine „leichten“ Gespräche, aber auch diese stärken unsere emotionale Muskulatur. Machen uns resilienter. Helfen uns, authentisch zu sein.

Außerdem ist es gut, wenn Deine Lieblingsmenschen wissen, wo sie die wichtigen Unterlagen finden, Deinen niedergeschrieben Willen, wo was geregelt ist. Damit sie sich in der vielleicht stressigsten Zeit ihres Lebens neben der Traurigkeit und dem Schock nicht auch noch darüber Gedanken machen müssen.

Du möchtest, aber irgendwie kommt immer etwas dazwischen? Du würdest gerne, weißt aber nicht, wie Du anfangen sollst? Du hast Angst, Dich mit dem Thema zu beschäftigen, weißt aber, dass Du solltest?

Komm, ich geh ein Stück mit Dir! Ich begleite Dich, gehe mit Dir Punkt für Punkt durch. Zeige Dir, mit welchen einfachen Methoden Du wieder ins Hier und Jetzt zurück finden kannst, wenn Du zu sehr im Morgen hängen bleibst. Zeige Dir Alternativen auf zu dem, was man bisher gemacht hat. Reiche Dir ein Taschentuch, wenn nötig. Kurz: ich führe Dich durch den Prozess, um ein eigenes Familienhandbuch / einen eigenen Notfallordner zu erstellen.

Buche Dein Rendez-vous mit Mr. und Mrs. Black und beginne Dein persönliches Handbuch zu erstellen, in dem Du alles niederschreibst, was wichtig ist!

Ach ja….. Und die Wurzel wartet nun gewaschen und angetrocknet darauf, zu Salbe weiterverarbeitet zu werden 😉

Beinwellwurzel, gewaschen und angetrocknet

Gestatten? Ich bin der Tod.

Ein Lied von Peter Maffay begleitet mich seit 40 Jahren, ich weiß nicht, ob Du es kennst. Es ist ein „Tabaluga“ Lied, ich meine von der ersten Platte. (also aus den 1980gern)

„Der fröhliche Geselle mit eigener Blaskapelle.
Der gibt der Welt den Takt an. Er gibt ihn ganz exakt an.
Alles, was da kreucht und fleucht ob alt, ob jung, ob arm, ob reich, ihm ist das gleich.
Ganz gleich. Er nimmt uns alle hopp. Das ist nun mal sein Job.
Sein Job.
Er ist der Tod.“

(Peter Maffay, aus Tabaluga und das leuchtende Schweigen)

Dort wurde der Tod für mich erstmals als fröhlich und bunt dargestellt.

Jahre später habe ich dann durch den Pixar-Film „Coco“ die mexikanische Tradition des Dia de Muertes kennengelernt. Auch da ist der Tod bunt, ausgelassen und lediglich ein Übergang von hier zu dort. Und nur, wenn niemand mehr an einen denkt ist man wirklich tot.

Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, umso bewusster wird mir, wie groß die Unterschiede in den einzelnen Kulturen sind, wie unterschiedlich die Vorstellungen sind.

Was denkst Du? Ist der Tod fröhlich? Friedlich? Unfair? Männlich? Weiblich? Weder noch? Kommentiere doch mal!

Tabaluga und das leuchtende Schweigen: Gestatten, ich bin der Tod