Aushalten, Halten, Halt und Haltung.

Manchmal ist Aushalten viel schwerer, als etwas zu tun, Ratschläge zu geben, Lösungen anzubieten.

Vor ein paar Tagen fand ich diesen Post bei Instagram:

Instagram: farbflausen

So wahr. Wie schnell sind wir doch versucht, Stille mit Worten zu füllen, mit einer noch schlimmeren Geschichte zu antworten.

Die Menschen sprechen mit mir. Schon immer. Ich bin die, die an der Bushaltestelle angesprochen wird, im Café, auf der Bank in den Grünanlagen. „Ich kann gut zuhören.“, habe ich als junges Mädchen in ein Freundebuch geschrieben. ….und nicht erkannt, dass es ein Talent ist.

Ich halte Geschichten aus, frage nach, lasse mein Gegenüber erzählen. Wahrscheinlich wäre ich auch ein guter Therapeut geworden – aber ich wollte ja lieber was mit Pflanzen machen. 😉

Das Leben hat mich wieder an den Anfang geführt und ich mich erinnert, dass ich gut zuhören kann und dass das ein Talent ist. Denn „die meisten Menschen hören Dir gar nicht wirklich zu, sondern warten nur darauf, dass sie dran sind, zu reden“. (Tyler Durdun, Fightclub)

In einer Gesellschaft, die sich immer mehr auf den Einzelnen konzentriert, in der die Vereinsamung greifbar ist, in der jeder nur auf sich schaut, ist es umso wichtiger, Haltung zu zeigen und Halt zu geben.

Erzählbank-Projekt

Zum Zuhören gehört auch, Stille auszuhalten. Denn mein Gegenüber braucht Pausen. Pausen zum Nachdenken, Worte finden, spüren. Auch das ist eine Gabe: nicht jede Pause mit Worten füllen zu müssen. Stille auszuhalten. Schweigen zuzulassen.

Ich zeige Haltung, indem ich aushalte, was mein Gegenüber mir erzählen mag und auch wenn Pausen entstehen. Ich biete einen Halt für die, die einfach mal etwas Aussprechen müssen. Ich reiche eine Hand.

Oder, um es mit den Worten von Sandra Dundar zu sagen: „Ich bleibe.“

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